Design und Usability
Schreibe einen Kommentar

Windows 8 UI – Microsofts Öffentlichkeitsarbeit

Foto: Aaron Fulkerson, CC BY-SA 2.0

Das Thema hatte ich zwar schon mal erwähnt, aber es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie Microsoft inzwischen dazugelernt hat und systematisch an der Usability-Verbesserung ihrer Produkte forscht. Dies soll ein Beispiel für die gute Öffentlichkeitsarbeit eines Konzern sein, wenn es darum geht neue Design-Funktionen zu etablieren:

Heute habe ich also den Building Windows 8 Blog entdeckt, der neue Features vom kommenden Windows 8 vorstellt. Ich empfehle allen Usability-Interessierten sich die Artikel mal anzusehen, z. B. den zum neuen Windows Explorer, der sich mit dem neuen Ribbon-Konzept zu seinen Kollegen von Office, Paint und co. gesellt. Auch lesenswert ist der Artikel zu den Designänderungen am Kopier-Dialog (new copy experience).

Windows Explorer Tab Heatmap

Es wird deutlich, dass Microsoft sich um eine starke Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Usability bemüht. Vor allem Windows blickt auf eine große, ich nenne es mal konservative Stammkundschaft, die sich ihr System in mühseliger Bastelkleinarbeit ihren Bedürfnissen angepasst hat, und diese Individualität mit einer neuen Version natürlich nicht gerne flöten gehen sehen möchte. So sagt der Autor vom Artikel zum neuen Explorer “We knew that using a ribbon for Explorer would likely be met with skepticism by a set of power-users (like me)”. Es gilt hier die Devise, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen und dabei trotzdem fortschrittlich zu sein. Keine leichte Aufgabe für einen Designer. Dazu gehören meiner Meinung nach hauptsächlich zwei Punkte:

Top 10 Commands Use of Windows Explorer

1. Über die Neuerung ausführlich zu informieren:

In den Artikeln werden die Evolutionsschritte der Interfaces betrachtet und in den Kontext der damaligen Bedürfnisse gebracht (übrigens in ähnlicher Weise auch sehr schön in dem 1,5 Stunden Video The Story of the Ribbon zu sehen, wo das neue Ribbon Interface zu Office 2010 vorgestellt wurde). So werden Änderungen an die Anforderungen der User hergeleitet und erklärt. Hinzu kommen einige Statistiken zu Funktionen, welche die Benutzer wann wie nutzen: Beim Explorer wird zum Beispiel klar, dass nur 10 Befehle zu 81,8% genutzt werden, und das hauptsächlich über das Kontextmenü. Somit lässt sich erklären, weshalb hier das Ribbon Sinn macht, indem es diese Funktionen schneller und gleichzeitig Touch-optimiert verfügbar macht.

Windows Explorer information density comparison Windows 7 + 8

2. Die Angst vor Änderungen zu nehmen:

Zweifel werden aufgegriffen und entschärft. So habe ich im Zusammenhang mit dem neuem Explorer-Design als häufigen Ablehnungsgrund gelesen, dass durch das Ribbon ja viel mehr Platz verloren geht, oder alte Funktionen nicht mehr gewohnt gefunden werden. Der erste Punkt wird anschaulich mit einem Screenshot widerlegt, der zweite mit einer zusätzlichen Funktion bedacht, mit der es möglich ist individuelle Befehlszeilen zu erstellen.

Insgesamt finde ich diese Vorgehensweise sehr sympathisch. Der Weg zu solchen Designänderungen wird detailliert beschrieben. Ergebnisse interner Studien und Feedback der User wird nach Außen getragen um für Verständnis zu werben. Anstatt alte Hasen mit einer radikalen Änderung ins kalte Wasser zu werfen, wird ein Weg des Kompromisses gegangen, auch wenn dadurch die Komplexität eventuell steigt.

Natürlich darf nicht vergessen werden, dass es hier auch um Verkaufszahlen und die Verteidigung eines Monopols geht. Ich könnte mir vorstellen, dass bei Apple solch eine Art Öffentlichkeitsarbeit nicht nötig ist, da es sich um einen anderen Typ Benutzer handelt. Designänderungen am Betriebssystem werden hier eher begrüßt und bedürfen keiner langen Erklärung. Ein ähnlicher Blog von Apple ist mir jedenfalls nicht bekannt.

Ein Wort noch zum funktionellen Design: Dieses hat bei Microsoft eindeutig eine höhere Priorität als das Grafikdesign. So sollte es auch sein, allerdings darf es nicht unter den Tisch gekehrt werden. Das Auge isst schließlich immer mit. Hier hat sich Microsoft in meinen Augen etwas träger erwiesen, so wird es ja anscheinend bei Windows 8 zwei Designs geben, die MetroUI vom Windows Phone 7 und das aus Windows 7 bekannte Aero Glass. Ob diese Diversität dem Nutzer gut bekommt ist schwer vorherzusehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.