Design und Usability
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Sinn oder nicht Sinn? Wichtige Fragen der App-Konzeption

Foto: Jason Howie, CC BY 2.0

»Hey, wie können wir daraus eine Smartphone App machen?« So ähnlich dürften viele Kundengespräche beginnen, allerdings wird dabei allzu gerne vergessen, dass man zu diesem Zeitpunkt bereits einen wichtigen Schritt übersprungen hat.

Gestern hatte ich die Gelegenheit beim 30. Multimediatreff in Köln einigen interessanten Vorträgen lauschen zu können. Neben Microsoft-spezifischen Vorträgen zu Windows Phone, XNA und der Metro UI, kam auch Johannes Fahrenkrug mit einem sehr inspirierenden Vortrag zu mobilen App-Konzeptionen zu Wort. Einer der angesprochenen Punkte wird meiner Meinung nach gerne unter den Tisch gekehrt, nämlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer App.

Kontext

Inhalte von einem Medium wie einer Webseite oder einem Magazin analog auf eine App zu übertragen, wird in den meisten Fällen schief gehen, denn der Kontext bei der Nutzung einer App ist im Vergleich zur Nutzung einer Webseite oder eines Magazins ein völlig anderer. Die wenigsten Smartphone Benutzer werden sich gemütlich an einen Schreibtisch setzen, wenn sie eine App starten wollen. Im Gegenteil ist die Aufmerksamkeitsspanne, die im Allgemeinen einer App gewidmet wird, sehr gering. Denn Apps werden »nebenbei« benutzt, während man an der Bushaltestelle wartet, in der Bahn, auf dem Weg zur Arbeit etc. So schnell man die App gestartet hat, ist sie auch schon wieder geschlossen.

Nützlichkeit

Genauso sollte man sich vor Augen führen, dass von einer App erwartet wird, nützlich zu sein. Und zwar regelmäßig. Eine App, die nach einmaligem Anschauen keinen Mehrwert mehr bietet, wird sofort wieder gelöscht. Ein Beispiel: Der Inhaber eines Restaurants möchte die Inhalte seiner Webseite auf eine App übertragen. Auf dieser stellt er bisher seine Lokalität und das Team vor und bietet Möglichkeiten zum Kontakt. So schön diese Informationen auch anzuschauen sind, es gibt keinen wirklichen Grund, diese App erneut starten zu wollen, denn die Informationen bleiben die selben. Anders sieht es aus, wenn die App täglich einen Überblick der aktuellen Angebote und Sonderaktionen liefern würde. Denn das könnte den hungrigen Passanten auf dem Weg durch die Stadt interessieren.

Ein Ziel

Dieses Beispiel führt auch schon zum nächsten Punkt: ein klares Ziel. Entscheidet sich ein Benutzer eine App zu öffnen, verfolgt er ein bestimmtes Ziel. Spitz formuliert möchte er, wenn er schon unterwegs kostbare Zeit opfert, sofort mit den gewünschten Informationen versorgt werden. Dieses Ziel sollte unbedingt klar herausgestellt und so schnell wie möglich erreichbar sein. Nehmen wir unser Beispiel von oben: Öffnet der Benutzer die App seines Lieblingsrestaurants möchte er nicht mit dem Bild des freundlichen Restaurant-Teams und der Kontaktadresse begrüßt werden, um sich dann erst umständlich durch Menüs wählen zu müssen. Die essentiellen Informationen sollten direkt und klar auf der Startseite platziert oder zugänglich gemacht werden (z.B. aktuelle Angebote oder eine Suche). Dazu gehört auch, dem Benutzer unnötige Hindernisse abzunehmen, wie z.B. die Eingabe des aktuellen Standortes, der genau so gut per GPS ermittelt werden kann.

Fazit

Es sollte sich also die Frage gestellt werden, welche Informationen am stationären Rechner und welche unterwegs von Interesse sind. Da kann es sehr große Unterschiede geben. Ziel einer mobilen App sollte es sein, diese Informationen ohne Umwege zum Benutzer zu transportieren. Stellt man fest, dass die gewünschten Inhalte als App keinen Sinn machen, da sie die oben genannten Kriterien nicht erfüllen, gibt es immer noch die Möglichkeit einer mobilen Webseite. Diese könnte in vielen Fällen sogar die bessere Alternative sein.

Auch das Tablet hat ein besonderes Benutzerszenario, welches es zu berücksichtigen gilt. So macht nicht jede App auf dem Tablet Sinn und umgekehrt.

Für Spiele gelten natürlich wiederum andere Randbedingungen, hier steht vorwiegend der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund.

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