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Bloggen mit IndieWeb: Kontrolliere deine Social-Media-Kanäle

Foto: Picturepest, CC BY 2.0

Wie vielleicht einige schon gemerkt haben, hat sich vor einiger Zeit unterhalb des Artikels etwas verändert. Einerseits gibt es nun folgende kleine Zeile:

Und in den Kommentaren tauchen Einträge auf wie:

Was hat es damit auf sich? Es fing alles damit an, dass ich gerne auch die Kommentare aus den Social-Media-Kanälen in meinem Blog darstellen wollte. Ich finde es nämlich blöd, wenn Reaktionen um einen Artikel zerfasern und auf verschiedenen Plattformen stattfinden. Wer gerne Kommentare liest, kennt das Problem. Nicht mal Facebook bietet mit seinem Kommentar-Widget für den eigenen Blog die Möglichkeit an, auch die Kommentare zum geposteten Beitrag auf Facebook darzustellen. Skurril.

Ob das jetzt immer sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Wenn ich an größere Publisher wie ZEIT ONLINE denke, wird es wohl so sein, dass sich die Kommentarkultur der eigenen Website zu denen auf Facebook oder Twitter stark unterscheidet. Da hat man vermutlich ein großes Interesse daran, die jeweilige »Kommentar-Community« nicht zu sehr von außen zu stören.

Reclaim und IndieWeb

Irgendwann entdeckte ich dann zufällig den Kommentarbereich von Felix Schwenzels Blog wirres.net: Dort wird fein säuberlich aufgelistet, in welchem Kanal welche Reaktion erfolgt ist. Das wollte ich auch! Nach vielem Googlen bin ich unter anderem auf einen Artikel von Felix gestoßen, in dem er erklärt, wie das ganze funktioniert. Kurz zusammengefasst gibt es zwei Projekte, die sich damit beschäftigen, die eigenen Inhalte aus den Social-Media-Kanälen (den »Silos«) im eigenen Blog darzustellen: Das erste geht auf eine Zusammenarbeit von Felix mit Sascha Lobo zurück und heißt Reclaim, das zweite heißt IndieWeb. Bei der Frage, wie man das mit den eigenen Inhalten nun bewerkstelligt, gibt es unterschiedliche Ansichten. Während Reclaim versucht, die in den Silos geposteten Inhalte in den Blog zurückzuholen (PESOS: post elsewhere, syndicate [to your] own site), möchte IndieWeb die Inhalte idealerweise direkt im Blog publizieren und von dort aus auf die Silos verteilen (POSSE: post [on your] own site, syndicate elsewhere). Wenn man sich mit der Materie näher beschäftigt, wirds schnell kompliziert. Die Kommunikation im IndieWeb findet z. B. über Mikroformate statt. 😳

Wie kriege ich das jetzt in meinen Blog?

Mein Ziel war es ja nun nicht, meinen Blog zu einem Eisbrecher in der Social-Media-Landschaft zu machen. Ich wollte doch nur die Facebook- und Twitter-Kommentare unterm Artikel sehen! Da bei Reclaim seit einigen Jahren nichts mehr passiert, habe ich mir das IndieWeb-Plugin installiert. Dabei handelt es sich nur um ein Container-Plugin, welches die eigentlichen IndieWeb-Plugins an einer Stelle sammelt: nämlich unter anderem Webmention und Semantic-Linkbacks. Die richtige Magic macht aber der Service bridgy, der sich in den Silos registriert und Blog-Posts oder Interaktionen damit via Webmentions an den eigenen Blog weiterreicht. Den muss man auch noch einrichten. Postet man daraufhin einen Blog-Artikel auf Facebook und jemand kommentiert oder liked, erscheint das auf wundersame Art und Weise als WordPress-Kommentar im eigenen Blog. Da war ich doch schon sehr geflashed, dass das direkt funktioniert hat. Vor allem, weil noch die Mikroformate des Themes mitspielen müssen.

Das Plugin Syndication Links (ja, noch ein Plugin) sorgt schließlich dafür, dass wie in meinem ersten Screenshot unterhalb des Artikels die Silos aufgelistet werden, in denen der Artikel gepostet wurde.

Zwischenfazit

Die Idee des IndieWebs ist toll und wichtig in Zeiten, in denen große Firmen mehr über uns wissen als wir selbst. Ich verfolge gespannt, ob und wie es damit weitergeht, und hoffe stark, dass das Projekt nicht im Sande verläuft. Der initiale Einrichtungsaufwand ist allerdings ziemlich gewaltig und man erkauft sich die Datenhoheit mit der Abhängigkeit von mehreren Plugins und einem Service. Ferner halte ich vom POSSE-Ansatz im Gegensatz zu dem des PESOS nicht sehr viel, da die Komplexität einzelner Dienste nie generisch in einem System abgebildet werden kann.

Die IndieWeb-Plugins selbst sind jetzt nicht unbedingt die schönsten am WordPress-Himmel, aber Open Source sei dank konnte ich immerhin an der ein oder anderen Stelle mitcoden, und die netten Maintainer haben auch relativ flott reagiert.

Hier im Blog war die ganze IndieWeb-Sache erst mal nur als Testlauf gedacht, um zu schauen, ob es mir überhaupt einen Mehrwert bietet. Die Anzahl der Kommentare ist recht übersichtlich, daher finde ich es ganz nett, wenn hier alles zusammenläuft. Nachteilig sehe ich eher, dass für die Nutzer der Kanäle nicht deutlich ist, dass ihre Reaktionen auch im Blog veröffentlicht werden. Problematisch ist da vor allem Facebook mit der schwammigen Grenze zwischen öffentlichem und privatem Bereich. Solange die Übersichtlichkeit nicht leidet, werde ich es aber erst mal weiterlaufen lassen.

3 Kommentare

  1. Ich weiß zwar noch nicht, wie das jetzt schon wieder funktioniert, aber ich bin sehr erfreut, dass es funktioniert! 😄

  2. Thomas sagt

    Ich verfolge gespannt, ob und wie es damit weitergeht, und hoffe stark, dass das Projekt nicht im Sande verläuft.

    Ich bin da vor zwei, drei Jahren mal bei den Erdfisch-Kollegen drauf gestoßen und war interessiert, wie es damit weitergeht. Ich hatte dann allerdings den Eindruck, dass das nicht in die Pötte kommt und das Interesse ließ nach. Allerdings hab ich auch nix dafür getan, dass es sich verbreitet – aber ich blogge ja auch nicht. Unter IndieWeb sind ja auch noch mehr interessante Funktionen zusammengefasst glaubich…

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