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Die Troika der Liebe

Heutzutage braucht man sich um eines keine Sorgen machen, um die Liebe. Komme was wolle, man liebt und wird geliebt. Zum Beispiel jetzt neu mit Deliveroo, dort gibt es nämlich Essen, das du liebst – diese Woche gesehen als großflächiges Plakat am Ubahnsteig.

Plakat in der Ubahn: Deliveroo – Essen, das du liebst,

Oder noch deutlicher bei Twitter:

Quelle: Twitter

Quelle: Twitter

Kaum verdeckte die einfahrende Ubahn das unterirdisch angebrachte Plakat, konnte ich mein soeben verstreutes Liebesreservoir wieder auffüllen, denn die BVG liebt mich. Sogar sehr, wie ich mal vor zwei Jahren erleben durfte, ganze 40 Euro liebte sie mich (trotz Monatsticket versteht sich). Jetzt liebt sie einen sogar noch mehr, nämlich 60 Euro ab dem 1. Juli. Aber ich schweife ab.

Plakat: BVG

Plakat: BVG

Ganz perplex ob der vielen Liebesbekundungen musste ich während der Fahrt erst mal bei den Nachrichten des Tages entspannen, und es hätte kein passenderer Artikel erscheinen können, als dieser beim Postillon:

Inspirierend! Dieser Patriot liebt sein Land so sehr, dass er dreimal täglich Sex mit ihm hat

Herrliche Situationskomik.

Nicht ganz so herrlich ist da der Status Quo der Kommunikationsbranche. Wenn ich an den Begriff Liebe denke, fallen mir doch als allererstes bestimmte Menschen ein. Damit wäre die Liste aber schon vollständig. Einen Lieferservice lieben? Oder ein Transportunternehmen? Nun ja.

Es wird schon über 10 Jahre lang geliebt, was nicht niet- und nagelfest ist, das ist nicht neu. Ich hatte allerdings gehofft, dass den Kreativen dieser Generation inzwischen mal was neues einfällt, etwas ehrlicheres. Stattdessen findet eine weitere schleichende Lieberalisierung [sic] statt.

Als Firma muss man seine Kunden nichts vormachen, es reicht aus ehrlich zu sein, sich ein bisschen zu öffnen und auf den Punkt zu kommen. Eine gute Werbekampagne kann ein schlechtes Produkt nicht gut machen. Im Gegenteil, der Versuch wirkt dann meist sarkastisch. Ein gutes erfolgreiches Produkt braucht dagegen kaum Dekoration, es steht für sich. Um mal ein beliebiges Beispiel zu nennen: Wie es besser geht, zeigt das reduzierte Wahlplakat der Hamburger SPD, welches Olaf Scholz 2015 erneut zum Bürgermeister machte. Statt metaphorischer Ebenen gibt es hier drei klare Statements in Schriftform, und eines in Bildform: Wir gehen so selbstbewusst in die Wahl, dass wir nicht mal den Namen unseres Kandidaten zeigen müssen. Er hat sich bereits durch seine Taten einen Namen gemacht.

Plakat: SPD Hamburg

Plakat: SPD Hamburg

Fazit: Bitte weniger platonische Liebe, mehr Mut zu Neuem, mehr Ehrlichkeit.

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