Selfmade Dolly – Bauanleitung 17.01.12

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Um ruckelfreie und gleichmäßige Kamerabewegungen zu realisieren, wird beim Film gerne ein sogenannter Dolly eingesetzt. Dieser kann sehr unterschiedlich aussehen, vom einfachen Brett mit vier Rädern darunter bis zu einem komplexen Gefährt mit Sitz und Hubsäule auf einem Schienensystem.

Nun ist es schon ein halbes Jahr her, dass der Jim Beyer Kurzfilm Kaffee mit Keks gedreht wurde. Zwar hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine kleine Steadycam für stabile Freihandbewegungen, allerdings gibt es Situationen, in denen eine noch stabilere und gerichtetere Kamerafahrt gewünscht ist. Zu diesem Zweck habe ich mir letztendlich einen eigenen einfachen, aber zweckmäßigen Dolly gebaut.

Welches System?

Wenn man ein bisschen im Internet recherchiert, gibt es einige Bauanleitungen für Dollys: da wären z.B. schienenlose Systeme, der inzwischen ziemlich beliebte Igus Sliderdolly für Handbedienung auf Stativen, kleinere Dollys für Handbedienung auf Leitern als Schienen, Dollys bestehend aus PVC Rohren mit Schienen aus PVC Rohren, zusammenklappbare Dollys oder Dollys für Kurvenfahrten.

Alle haben natürlich ihre Vor- und Nachteile, die man individuell abwägen muss. Mir war wichtig, dass

  1. der Dolly stabil sein sollte
  2. ich mit einem Videostativ darauf stehen kann, denn so können Kamerafahrt und –schwenk unabhängig voneinander und somit sauberer ausgeführt werden
  3. der Dolly für auf Schienen fährt, da man am Drehort so gut wie nie einen ebenen Boden vorfindet
  4. der Dolly vor allem schnell gebaut werden kann. Als die Idee aufkam, war der Dreh nämlich nur noch wenige Tage entfernt.
  5. der Bau natürlich nicht allzu teuer ist.
  6. die Mindestlänge der Schiene zwei Meter sein sollte.

Wegen Punkt 4 fiel schon mal das Igus Slidersystem raus, denn die Schienenteile hätten aus den USA bestellt werden müssen. Außerdem wäre Punkt 2 bei längeren Strecken schwierig zu koordinieren gewesen, da man als Kameramann neben dem Slider herlaufen muss. Punkt 5 war auch nicht ganz unwichtig, denn ein gut gelagerter Kugelkopf kostet auch gerne einen guten dreistelligen Betrag.

Somit entschied ich mich für eine große Bodenplatte mit Rollen auf einem PVC-Schienensystem. Bei Bedarf könnte man den Dolly so später für Fahrten auf flexiblen Schläuchen aufrüsten. Mir war aber auch klar, dass das Teil ziemlich breit werden würde und für enge Räume nicht geeignet ist.

Bauanleitung

Zwei Anleitungen kamen dem schon ziemlich nahe, deswegen habe ich mich weitestgehend daran orientiert.

Zubehör:

  • Ein stabiles Brett! Das darf auch ruhig etwas mehr kosten, schließlich soll es den Kameramann plus Kamera und Stativ tragen. Ich hab im Baumarkt ein schönes schweres Stück Tischlerplatte gefunden mit den Endmaßen 80cm x 88cm x 1,6cm. Bitte keine Spanplatte!
  • Vier Aluwinkel. Dazu habe ich einen ein Meter Aluwinkel in 4 x 25cm zersägt. Wandstärke: 2mm (mehr wäre sicher besser, gab es da aber nicht). Metallwinkel gab es zwar auch, aber die sahen nicht sehr stabil aus und waren von den Abmessungen her nicht passend.
  • 16 M6 x 60 Gewindeschrauben mit eckigem Kopf (z.B. Sechskant), Muttern und Unterlegscheiben für die Rollen. Je nach Raddurchmesser müssen hier die Muttern als Abstandhalter benutzt werden.
  • 4 M6 x 60 Gewindeschrauben mit Senkkopf, Muttern und Unterlegscheiben für die Befestigung der Aluwinkel mit den Rädern am Holzbrett.
  • Einen Besenstiel als Schieber, dazu passend zwei Winkel, eine Gewindeschraube plus Gegenstücke und Holzschrauben, um die Winkel am Dolly festzuschrauben.
  • 16 x Skater Rollen für 6mm Achsen. Ich habe einfach die billigsten bei Amazon bestellt und wurde nicht enttäuscht, nämlich Hyper Assault Indoor Speed Rollen mit 80mm Durchmesser. Passende Kugellager sollten natürlich dabei sein.
  • 2 Abflussrohre mit 4cm Durchmesser und 2m Länge, 4 passende Winkelstücke und zwei Querstücke dazu, dass man auf die gewünschte Spurbreite kommt.

Dann geht es ran ans Werk!

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Die Räder werden mit der passenden Anzahl an Muttern auf die Schrauben geschraubt. Dann die Löcher für die 16 Rollen ausmessen, ankörnen und bohren. Dazu sollte man sich ausreichend mit Metallbohren auskennen und dringend einen Bohrständer plus Klemme benutzen, wenn man nicht Gefahr laufen will einen Finger oder mehr zu verlieren. Zusätzlich kommt mindestens ein Loch in das Dach der Aluwinkel, zur Befestigung am Brett. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Standardspurbreite beim Film 62cm sein soll, deswegen habe ich die Aluwinkel dementsprechend angeschraubt. Schließlich alle Teile zusammenbauen und zu guter Letzt noch den Besenstiel am Holzbrett festmachen, fertig.

Fazit

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Der Materialpreis belief sich insgesamt auf ca. 100 Euro. Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem Gerät. Der Dolly ist sehr stabil und auf vier Meter Schienenlänge erweiterbar, auf der anderen Seite natürlich etwas sperrig und schwer. Kamerafahrten gelingen damit jedenfalls prächtig. Sehen kann man den schönen Effekt zum Beispiel in den Zeitraffer-Aufnahmen im Film Kaffee mit Keks.


Ein Kommentar

  1. greatestview » Selfmade Dolly – Teil 2 meint: #1

    [...] hat mich mal die Muße gepackt und dafür gesorgt, dass ich die Schienen meines selbstgebastelten Dolly verlängere. Die passenden Abflussrohre standen schon länger herum, allerdings hat mich das [...]

    9. September 2012 um 19:02 Uhr

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